Chronik

Gesang und Musik haben in Hussenhofen Tradition. Wobei Tradition in diesem Zusammenhang nichts Angestaubtes hat, sondern über mehr als 120 Jahre ein stets aktuelles Angebot kultureller Betätigung bedeutet. Ein Angebot, das den Gesang- und Musikverein „Cäcilia“ zu einem aus dem Ortsgeschehen nicht wegzudenkenden Faktor gemacht hat.

1896 – 1919: Die Geburt, erste Gehversuche

Die Vorgeschichte beginnt am 15. Dezember 1895, als Bernhard Dangelmaier gemeinsam mit Adolf Öchsle, Georg Kugler und dem Wirt der Gaststätte Gelbes Haus, Josef Hägele, eine Liste im Ort herumgehen ließ, auf der sich jeder eintragen sollte, der Interesse an der Gründung eines Gesangvereins hatte.

33 Namen standen schließlich auf dieser Liste – ausreichend viele, um am 06. Januar 1896 zur Gründungsversammlung ins Gelbe Haus zu laden. Schon zwei Wochen später traf man sich zur ersten Singstunde, nachdem man Jakob Kleesattel aus Herlikofen als Dirigenten verpflichtet hatte.

28 Sänger nahmen das regelmäßige Singen auf, und als Kleesattel im November des gleichen Jahres einige mehrstimmige Weihnachtslieder einüben wollte, wurde bereits der erste gemischte Chor in der Cäcilia-Geschichte ins Leben gerufen. Einige Jahre später hatte man sich derart etabliert, dass den Hussenhofern die Ausrichtung des Gausängerfestes anvertraut wurde. Man verband es mit der Weihe der ersten Vereinsfahne am 27. Mai 1900. Zuvor allerdings hatte die Begeisterung wohl schon etwas nachgelassen: Dirigent Kleesattel hatte sein Amt niedergelegt, weil er über schlechten Besuch der Singstunden und häufiges Zuspätkommen zu klagen hatte. Neuer Chorleiter wird Josef Schierle aus Oberbettringen für ein Honorar von einer Mark.

Auf den Gründungs-Vorsitzenden Georg Hirner folgten beim Gesangverein der Initiator Bernhard Dangelmaier, Leonhard Wamsler, Franz Widmann, Anton Fuchs, Gregor Lutz, Johannes Hirner, Georg Herbst, Paul Hägele, Johannes Schmid jun., sowie erneut Georg Herbst. Ein für das gesellschaftliche Leben des Vereins wichtiges Datum ist das Jahr 1919, in dem erstmals ein Pachtvertrag mit der Gemeinde über die „Seeanlagen“ geschlossen wird.

1920 – 1952: Stürmische Zeiten

Die Chronik des Vereins ist ein umfangreiches, sauber geführtes Werk in vielen Bänden. Aus ihr geht unter anderem hervor, dass das Niveau des Chores unter motivierenden Dirigenten stets anstieg. Dies gilt besonders für Lehrer Mailänder(1912–1918) und Oberlehrer Sauter (1927-1947). Letzterer verzeichnete schon bald nach seinem Antritt einen schönen Erfolg durch das Erringen eines ersten Preises mit dem Chor beim Gausängerfest in Waiblingen im gehobenen Chorgesang. Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens leistete sich der Verein 1936 eine neue Fahne, die im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten geweiht wurde.

Während der Kriegsjahre waren die Singstunden zwar stark beeinträchtigt, kamen jedoch nie ganz zum Erliegen – auch durch die erneute Gründung eines gemischten Chores, um die in immer stärkerer Zahl fehlenden Männer (15 Mitglieder finden als Soldaten ihren Tod) zu ersetzen. So konnte man auch als erster Verein im Silchergau schon 1946 mit einem kleinen Fest zum 50-jährigen Bestehen wieder an die Öffentlichkeit treten.

1953 – 1987: Gründung der Musikkapelle und Große Erfolge

Vier Jahre darauf wurde Oberlehrer Johann Langer musikalischer Leiter des Chores. Mit seinem Namen ist ein großer Schritt zur Weiterentwicklung des Vereins verbunden. Er ist es nämlich, der das sogenannte „Salonorchester“ mit dem Dirigenten Ludwig Trinkmann ins Leben ruft, das 1953 zur Musikabteilung des Vereins ausgebaut wird. Ab diesem Zeitpunkt nennt man sich auch „Gesang- und Musikverein“. Die Kapelle beginnt mit Proben im Gelben Haus und tritt bei der Einweihung des Schulhauses am 17. Oktober des gleichen Jahres erstmals öffentlich auf.

In einem 1100 Quadratmeter großen Festzelt wird 1956 das 60jährige Bestehen gefeiert. Der Festzug muss wegen seiner Größe in zwei Säulen aufgestellt werden. Ein Jahr später wird Leonhard Barth zum Vorsitzenden gewählt und erwirbt sich in diesem Amt während der nächsten zwölf Jahre große Verdienste. 1960 richtet man die Seeanlagen neu her und stellt dort ein Denkmal zum 100. Todestag von Friedrich Silcher auf. Immer wieder ist in der Chronik von schönen Erfolgen beider Vereinsabteilungen bei Wertungssingen und –spielen die Rede. 1966 feiert man im Rahmen des sechsten Kreismusikfestes das 70-jährige Bestehen samt Fahnenweihe. 1969 übernimmt Siegfried Maier aus Oberböbingen die Sänger als neuer Dirigent. Eine Position, die er bis 1998 wahrnimmt.

Nachfolger von Leonhard Barth, der zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird, wird 1970 Sängervorstand Fridolin Barth. Im gleichen Jahr richten die fünf Hussenhofer Vereine erstmals gemeinsam das „Remsfest“ aus. Mit 15 Sängern startet der „Junge Chor“ seine erste Singstunde; bei der dritten sind es bereits 28 Teilnehmer. 1976 übernimmt dann Leonhard Kugler für 13 Jahre den Vorsitz des Vereins, der ein Jahr später beschließt, in der alten Schule einen Probesaal für den Verein einzurichten. Der kann zum 25-jährigen Bestehen der Musikkapelle ein Jahr später eingeweiht werden. Über 2000 Arbeitsstunden haben die Mitglieder in den Ausbau investiert. 1987 findet ein Auftritt der Sänger- und Musikerfrauen so großen Anklang, dass nach langer Pause wieder die Gründung eines gemischten Chores beschlossen wird.

1988 – heute: Abschiede und Aufbruch zu neuen Ufern

Als Mega-Ereignis geht der Auftrag der Stadt Schwäbisch Gmünd in die Geschichte des Vereins ein, die Kapelle solle zehn Tage lang als „musikalischer Botschafter“ beim Musikfest in Bethlehem mitwirken. Mit jener Stadt im US-Bundesstaat Pennsylvania will man künftig freundschaftliche Beziehungen pflegen. 1990 wählt die Generalversammlung Siegfried Küchle zum neuen Vorsitzenden.

Zum 40-jährigen Bestehen der Musikkapelle – begangen mit Festabend, Festkonzert und Festzug – wird 1993, nachdem die Jugendlichen der Kapelle aus eigenem Antrieb heraus mit der Probenarbeit beginnen, die Gründung einer Jugendkapelle beschlossen. Erster Leiter ist Johannes Groß aus Herlikofen.

1995 übernimmt Achim Falkenberg aus Bargau die Leitung der Kapelle als Nachfolger von Ludwig Trinkmann, der den Taktstock rekordverdächtige 42 Jahre lang geschwungen hatte und zum Ehrendirigenten ernannt wurde. Im Jahr 1996 wird mit einem großen 3-Tages-Fest das 100-jährige Jubiläum des Vereins gefeiert. 1998 tritt Thomas Kaiser die Nachfolge Siegfried Küchles als Vereinsvorsitzender an. Neue Jugendirigentin wird 1999 Melanie Müller aus Schwäbisch Gmünd . Neue Dirigentin des Chores wird Heike Henzler. Eine traurige Nachricht für den gesamten Verein ist der Tod von Ehrendirigent Ludwig Trinkmann am 03.03.2000.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Musikkapelle im Jahr 2003 wird eine neue Uniform angeschafft. Das Jubiläum selbst wird mit einem großen mehrtätigen Zeltfest und der Ausrichtung des Kreisverbandsmusikfestes gefeiert. An dem Festzug nehmen über 40 Kapellen teil. Beim gemischten Chor gibt es ebenfalls 2003 einen Dirigentenwechsel. Eric Fichtler übernimmt die Führung.

Nachdem Achim Falkenberg im Jahr 2007 aus privaten Gründen den Dirigentenstab der Musikkapelle niederlegt, übernimmt Dr. Andreas Kittel das Dirigat, welches er bis 2012 innehat. Die erste weibliche Dirigentin der Kapelle wird im Jahr 2012 Jana Rabl und leitet eine musikalisch äußerst erfolgreiche Zeit ein. Ab dem Jahr 2010 tritt Carsten Weber Nachfolge von Eric Fichtler an. Unter seiner Führung wird auch 2011 der junge Chor “Chorisma” gegründet. Im Jahr 2015 übernimmt Uli Schabel den gemischten Chor und Uschi Bertenrath kann als Dirigentin für Chorisma gewonnen werden. 2018 übergibt sie das Dirigat an Petra Penz.

Das 60-jährige Jubiläum der Musikkapelle im Jahr 2013 und das 120-jährige Jubiläum des Gesamtvereins im Jahr 2016 werden im Rahmen von Festabenden und über das Jahr verteilten Veranstaltungen in einem kleineren Rahmen gefeiert. Seit dem Jahr 2014 kooperiert der GMV im Bereich der Jugend mit dem Nachbarverein MV Herlikofen. Die zusammengeführte gemeinsame Jugendkapelle Herlikofen/Hussenhofen bestreitet dann im Jahr 2015 beim Frühjahrskonzert in der Hussenhofener Mozarthalle ihren ersten umjubelten Auftritt.

Tradition ist beim Gesang- und Musikverein Cäcilia das jährliche Gartenfest an Christi Himmelfahrt (Vatertag) in den Seeanlagen. Das Frühjahrskonzert in der Mozarthalle gehört ebenso zum festen Jahresprogramm wie der Fasnetsball am Faschingssamstag. Bereits seit 1976 hat der Verein die jährliche Ausrichtung des „Sträublesfestes“ mit seiner über 200-jährigen Geschichte übernommen. Im Dezember findet im jährlichen Wechsel ein Adventskonzert in der St. Leonhards-Kirche oder der “Winterzauber” auf dem Dorfplatz statt.

In seiner über 120-jährigen abwechslungsreichen Geschichte ist der Gesang- und Musikverein Cäcilia Hussenhofen stets ein lebendiger Verein geblieben. Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft sind gestellt. Erwarten wir also die nächsten 100 Jahre.